Sehenswürdigkeiten

„Ein Stück des Paradieses aus dem Himmel auf die Erde herabgefallen.“

Diese von dem italienischen Künstler Dominico Rosso 1661 in Crottorf gefertigte Inschrift ist damals wie heute allen aus dem Herzen gesprochen, die die Schönheit unserer Heimat kennen lernen durften. Treffender ist Friesenhagen und die umgebende Landschaft nicht zu beschreiben. Das Wildenburger Land, wie die gesamte Region genannt wird, ist wohl eine der schönsten Landesteile von Rheinland-Pfalz. Hier ist die Natur weithin noch intakt.

 

Quelle:
Schuh, Hermann-Josef
„Kein schöner Land… WILDENBURGER LAND“
Friesenhagen / Morsbach 2006

Die Wildenburg

Wie ein verwunschenes Schloss aus dem Märchen ruht die alte Wildenburg auf einem Bergsporn über dem Wiesental und träumt von Glanz und Glorie vergangener Zeiten. Nur wenige alte Gemälde und Zeichnungen lassen erahnen, welche prächtige Schlossanlage hier im Mittelalter einmal gestanden haben muss. Nach wie vor beeindrucken der mehr als 25 m hohe, alles überragende Bergfried mit seiner barocken Haube sowie die anschließenden Gebäude, die heute als Revierförsterei dienen. Hier war der Hauptsitz der Edelherren von Wildenburg und später der von Hatzfeldt-Wildenburg.

 

Gerhard von Arenberg gilt als Stammvater des Hauses und Erbauer der Burg. Als Vogt der Abtei Werden erhielt er im Zuge einer Erbschaft die nördlich der Sieg gelegene Hälfte des Kirchspiels Wissen und Besitzungen im Raum Friesenhagen. An strategisch günstiger Stelle errichtete er am „Wilden Berge“ ein befestigtes Herrenhaus und nannte sich 1239 „Gerardus de Wildenberg.“ Wildenburg erhielt am 11.12.1384 durch König Wenzel besondere Rechte. Der König räumte Johann von Wildenburg samt Erben die Freiheit ein, die Straße Köln – Siegen („des reichs lantstrasse“) durch deren Städtchen Wildenburg zu verlegen. Im 15. Jahrhundert gelangte die Burg durch Heirat an das Haus Hatzfeldt. Diese Familie spaltete sich im 16. Jahrhundert in drei Hauptlinien: Hatzfeldt – Weisweiler (1509), – Werther (1523) und – Crottorf (1559). Die in gemeinsamem Besitz verbliebene Wildenburg verlor als Wohn- und Aufenthaltsort zunehmend an Bedeutung. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es zum Verfall der Burg. Wegen baulicher Mängel begannen 1837 Abbrucharbeiten, die sich bis zum Jahr 1857 fortsetzten und mit dem Abbruch des Viehhauses 1911 den Abschluss fanden. Mit erheblichen finanziellen Aufwendungen wurde besonders in den 20er und 30er Jahren der Bestand saniert und versucht, das verbliebene Mauerwerk zu erhalten. Seine Bedeutung im Mittelalter hat das Schloss bzw. die Burg heute völlig verloren. Nur der Burgturm thront weiterhin als steinerner Wächter und Wahrzeichen über dem Tal, dem Ort und dem ganzen Wildenburger Land.

Schloss Crottorf

Im unteren, malerischen Teil des Wildenburger Bachtales, am Übergang zum Wissertal, liegt die Wasserburg bzw. das Schloss Crottorf. Sie ist die einzige Anlage dieser Art im nordöstlichen Rheinland-Pfalz und gilt als eine der schönsten und besterhaltenen Wasserschlösser im Rheinland. In ihrem heutigen Erscheinungsbild blieb sie jahrhundertelang nahezu unverändert. Die zahlreichen Besucher, die durch das unter großen alten Bäumen versteckte Tor in die Parkanlage schreiten, lassen sich vom Zauber der Vergangenheit dieses Bilderbuchschlosses einfangen. Von Wassergräben und Mauern umgeben sind Torgebäude, Vor- und Hauptburg. Der gesamte Bau ruht auf Eichenpfählen. Über eine 45 Meter lange Steinbrücke, deren letzter Teil als Zugbrücke angelegt ist, erreicht man den Torturm mit dem Außenwall. Eine zweite Brücke führt in den Hof der Vorburg, den vermutlich ältesten Teil der Burg. Hier befand sich früher der Aufenthaltsort für die Burgbesatzung mit den Wirtschaftsgebäuden (Stallungen, Vorratsgebäude etc.). Schließlich gelangt man über eine dritte Brücke in die eigentliche Hauptburg, einen Dreiflügelbau, dessen vier Ecken von Rundtürmen besetzt sind.

 

Als „Crutorp“ wurde die Ansiedlung 1144 in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs Arnold I. für die Siegburger Abtei erstmalig genannt. Im 13. Jahrhundert befand sich hier ein Adelssitz der Ritter von Seelbach, einem Geschlecht aus dem Freien Grund im Siegerland. 1261 wurde ein Ritter Ludwig der Schwarze von Crottorf als Lehnsmann der Herren von Wildenburg erwähnt. Johann und Arnold, die Söhne des Ritters Gerhard von Seelbach, besaßen 1326 die Burg zu Crottorf als Lehen der Grafen von Sayn. Wie aus einer Memorientafel in der Pfarrkirche zu Friesenhagen hervorgeht, errichtete Johann von Seelbach einen wehrhaften Wohnsitz mit Wassergräben, Wällen und Ringmauern. Er gilt als Erbauer des Wasserschlosses. Seine Tochter Katharina heiratete als Alleinerbin des Besitzes 1559 Wilhelm von Hatzfeldt zu Wildenburg. Seitdem befindet sich das Schloss mit allen Gütern im Besitz des Hauses Hatzfeldt. In den Jahrhunderten wurde das Schloss nur einmal belagert bzw. geplündert. Im Dreißigjährigen Krieg drangen 1631 schwedische Soldaten über die zugefrorenen Wassergräben, plünderten die Vorräte und nahmen das Vieh mit. Die gesamte Anlage blieb in ihrem heutigen Erscheinungsbild unverändert. Diesen glücklichen Umständen und natürlich der über Generationen erfolgten Pflege der Bausubstanz ist es zu verdanken, dass sich die Anlage ihren historischen Charakter bewahren konnte. Über 600 Jahre lang waren die Burg und später das Schloss stark genug, alle Stürme der Zeit unbeschadet zu überstehen.

Die Pfarrkirche St. Sebastian

„Gleich, von welcher Bergseite man auf Friesenhagen schaut, die Pfarrkirche St. Sebastianus in ihrem leuchtenden Gelb, eingerahmt von alten Fachwerkhäusern und von dem Grün der Bäume, zieht den Blick auf sich.“ Seit Jahrhunderten ist sie der uneingeschränkte Mittelpunkt, das Zentrum des Dorfes und prägt in besonderer Weise das Ortsbild.

 

Eine Kirche wird erstmals 1131 als Besitz des Bonner Cassiusstift erwähnt. Wer das Gotteshaus besucht, erkennt die Spuren der engen Verbundenheit mit der adeligen Familie von Hatzfeldt-Wildenburg sowie die Zeit der Franziskaner im Land. Anfangs stand hier eine dreischiffige Basilika mit Westturm in romanischem Stil. Vermutlich wurde um 1500 an gleicher Stelle, unter Beibehaltung des romanischen Turmes, eine gotische Kirche errichtet. Der Bildhauer Peter Sasse aus Attendorn schuf 1696 den Hochaltar. Die Figur der Himmelskönigin wird eingerahmt von je zwei gewundenen Säulen. Da die Kirche zu klein war wurde zwischen 1740 und 1742 das Langhaus neu gebaut. Schon 1751 richtete ein Brand schweren Schaden an. Der Helm des Turmes stürzte mit den Glocken ein, und Dach sowie Gewölbe wurden schwer beschädigt. Nach nur wenigen Jahren musste die Kirche erneut aufgebaut werden. Der alte Turm wurde erhöht und erhielt „seinen barocken Helm mit einer der schönsten Laternen unter den Barockkirchen des Rheinlandes.“ Ein schlichter, vierachsiger Saalbau mit flacher Decke wurde als neues Mittelschiff errichtet. Von 1974 bis 1978 wurde die Kirche renoviert.

 

Die nördliche Seitenkapelle, die sog. “Grafenkammer“, enthält die Grabdenkmäler des Sebastian von Hatzfeldt und seiner Gemahlin Luzia, sowie seiner Mutter Katharina, geb. von Selbach. Ein kunstvoll geschmiedetes Eisengitter trennt die Kapelle vom Kirchenschiff.

In der südlichen Seitenkapelle steht ein einfacher Barockaltar des hl. Franziskus aus Holz.

Kapellenkranz rund um Friesenhagen

Als Ausdruck tiefer Volksfrömmigkeit wurden in den vergangenen Jahrhunderten kleine Kapellen im Wildenburger Land errichtet. Überstandene Not und Leid waren oft der Auslöser, in dieser Form Gott zu danken. Neben den bekanntesten und weithin sichtbaren Gotteshäusern: Rote Kapelle, Strahlenbachskapelle, Kreuzkapelle, Rochuskapelle und Marienkapelle in Steeg sind noch zu erwähnen die Kapelle in Schloss Crottorf und im Altenheim St. Klara sowie die Friedhofskapelle.

 

Untergegangen im Laufe der Geschichte sind die Schlosskapelle in Wildenburg, die Kapelle der Franziskanerresidenz in Friesenhagen sowie eine Kapelle auf dem „Dernbachs Eckelchen“ in Steegerhütte. Nicht auszuschließen ist, dass in der Nähe von Heiligenborn („Im Looh“) eine Gnadenkapelle zu Ehren der Mutter Gottes gestanden hat.

Die Anna Kapelle

Die St. Anna Kapelle, im Volksmund auch „Rote Kapelle“ genannt, auf dem Blumenberg steht an einem denkwürdigen Ort. Nach den Hexenprozessen auf der Wildenburg starben hier viele Bewohner des Kirchspiels Friesenhagen auf dem Scheiterhaufen. In den Überlieferungen findet man hierzu den Hinweis: „Sie wurden bei dem Lindgen vom Leben zum Tode geführt.“ Das „Lindgen“ ist heute ein mächtiger Baum geworden und könnte bestimmt viel über die geschehenen Gräueltaten berichten. Die Kapelle ist der Heiligen Anna geweiht und wurde im 17. Jh. von Franziskaner-Mönchen errichtet. Gertrud Neuhof aus dem benachbarten Hof Ziegenschlade ist der „Gute Geist“ des Kirchleins.

Die Strahlenbachskapelle

Die Kapelle „Mariae matris dolorosae“ am ehemaligen Hof Stralenbach befindet sich an der heutigen Kreisstraße 83 und wird auch „Schmerzhafte-Mutter-Kapelle“ genannt. Sie wurde wahrscheinlich Ende des 17. Jahrhunderts von Franziskanern errichtet. Im Innern des kleinen verputzten Bruchsteinbaues befindet sich ein barocker Säulenaltar. Ein Ölgemälde stellt einen Franziskaner vor der Himmelskönigin dar. In einer Altarnische steht eine Pieta aus Fichtenholz. Die Stätte stiller Andacht ist alljährlich vor Christi Himmelfahrt Ziel einer Bittprozession. Die Familie Kappenstein von dem „neuen Hof“ in der Strahlenbach betreut die Kapelle.

Die Kreuzkapelle

Auf der Höhe des Schnabelberges, nahe des Schlosses Crottorf, ließ Anna Elisabeth Gräfin von Hatzfeldt eine Kapelle zu Ehren des heiligen Kreuzes errichten. Eine Inschrift über dem Portal weist auf die Stifterin und das Baujahr hin: „fieri curavit 1701“. Der achteckige Bau mit der barocken Haube und Laterne über dem profilierten Gesimse gehört zu den Nachbildungen der Himmelfahrtskapelle in Jerusalem. Das Innere zeigt im Mittelpunkt einen ebenfalls barocken Hochaltar mit einer Reliefdarstellung der Kreuzigung Christi. Im Sommer 1895 wurde an der Kapelle ein Mausoleum als fürstliche Gruft angebaut. Vier Angehörige der Hatzfeldt’schen Familie fanden hier ihre letzte Ruhe.

Die Rochuskapelle

Die Kapelle auf dem Rolsberg wurde vermutlich im 17. Jahrhundert von Franziskanern errichtet. Sie ist ein schlichter verputzter Bruchsteinbau mit quadratischem Grundriss und hat eine Welsche Haube. St. Rochus galt im Mittelalter als der Schutzpatron gegen die Pest.

Die Marienkapelle in Steeg

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam bei den Bewohnern im Raum Steeg der Wunsch auf, eine Kapelle zu bauen. Der Fußweg zur Pfarrkirche in Friesenhagen war besonders für ältere Leute weit und beschwerlich. 1948 erfolgte die Gründung eines Kapellenbauvereins, und 1952 beschloss der Kirchenvorstand den Bau. Diözesanbaumeister Wilhelm Schlombs erstellte den Entwurf. Mit großer Opferbereitschaft und viel Eigenleistung der Bevölkerung wurde die Kapelle errichtet. Am 8.12.1955 konnte der erste Gottesdienst gefeiert werden.

Auszug entnommen dem Buch:

„Kein schöner Land… WILDENBURGER LAND

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